Es ist Wochenende und die Sonne und mein Mann locken mich munter raus zu einem Spaziergang: Auftanken in der Natur. Ich bin begeistert! Die Gelegenheit ist günstig – endlich will ich die Wanderschuhe einlaufen, die schon seit über einem Jahr vernachlässigt im Schrank auf mich warten. Bereits als ich sie anziehe, ahne ich, dass dies kein schlauer Plan ist. Ein ungutes Gefühl in der Magengegend macht sich bemerkbar und mir fällt wieder ein, warum ich bisher vermieden habe, sie zu tragen: sie sind ganz einfach zu eng.

In diesem Moment schleicht sich ein Gedanke ein: „Da muss ich jetzt durch!“ Also will ich es Ausprobieren – sehen was machbar ist. Ausblenden, dass ich mich irren könnte und hoffen, dass sich das schon irgendwie gibt.

Doch was tue ich mir an, wenn ich glaube, dass ich mit Biegen und Brechen etwas Bestimmtes erzwingen kann?

Denke nicht nur mit Deinem Kopf, denke mit Deinem ganzen Körper.

~ Eckhart Tolle ~

Da muss ich jetzt durch!

Der Gedanke bringt mich zu der Überzeugung, dass sich mit etwas gutem Willen, die Wanderschuhe sicherlich dehnen werden. Also werden die offensichtlichen Gegebenheiten einfach ignoriert und ich marschiere los – tapfer, zwei Stundenlang – letztendlich mit Höllenschmerzen beim Gehen! Am Ende kann ich kaum noch auftreten. Erschöpft und genervt schaffe ich es bis nach Hause und bin mir sicher: diese Qual hätte ich mir locker erspart, wenn ich zuvor auf die eindringliche Warnung meines Bauchgefühls gehört hätte. Doch was genau hat mich eigentlich daran gehindert?

ÜBUNG

Hast Du schon einmal erlebt, dass krampfhaftes Festhalten und verbissene Kontrollversuche sinnvolle Ergebnisse erzielen? Nein? Gut so – denn es macht wenig Sinn, sich mit aussichtslosen Kämpfen das Leben unnötig schwer zu machen. 😉

THE WORK zeigt Dir anhand von vier Fragen, wie Du Dir mit Deinen Gedanken selbst einen Streich spielst:

Überlege Dir eine Situation aus Deinem Leben, wo Du überzeugt warst, mit ausreichend Hartnäckigkeit etwas erzwingen zu können – nach dem Motto: Da muss ich jetzt durch! Dann finde einen stressigen Gedanken und beantworte die 4 Fragen der WORK – die Anleitung findest Du hier

THE WORK Beispiel: Meine ungeliebten Wanderschuhe

Als Ausgangssituation für meine WORK nehme ich den kurzen Moment, als ich beim Anziehen der Wanderschuhe bemerkt habe, dass zu eng sind.

Frage 1

„Da muss ich jetzt durch!“ Ist das wahr? Ich bin in dem Moment überzeugt: Ja!

Frage 2

Kann ich mit absoluter 100%iger Sicherheit wissen, dass ich da durch muss? Nun, so ganz sicher bin ich mir nicht, also Nein.

Frage 3

Wie reagiere ich, was passiert, wenn ich diesen Gedanken glaube? „Da muss ich jetzt durch!“ Schon beim Anziehen leugne ich, dass die Wanderschuhe drücken. In der Situation verhalte ich mich innerlich trotzig wie ein Kind, belüge mich selbst und mache mir etwas vor. Ich will nicht wahrhaben, dass ich beim Kauf der Schuhe einen Fehler gemacht habe. Ich rede mir die Schuhe passender als sie sind, ignoriere wie lange so ein Spaziergang sein kann und will nicht einsehen, dass es besser wäre, bequemeres Schuhwerk anzuziehen. Indem ich krampfhaft versuche den Schmerz auszuhalten, quäle ich mich selbst, obwohl meine Füsse deutlich sagen, dass die Schuhe viel zu eng sind. So behandle ich mich lieblos und streng.

Frage 4

Und wer oder was wäre ich OHNE den Gedanken? „Da muss ich jetzt durch!“ Ohne den Gedanken wäre ich überhaupt nicht auf die Idee gekommen, mir diese Qual wirklich anzutun. Bereits beim Anziehen hätte ich reagiert und mich für bequemere Schuhe entschieden. Ich hätte sofort bemerkt, dass ich passendere Wanderschuhe brauche. Meinem Bauchgefühl hätte ich vertraut und einen wunderschönen Spaziergang mit meinem Liebsten erlebt. Ungetrübt hätte ich das herrliche Wetter genießen können. Ich hätte mir definitiv erlaubt, Spaß zu haben und da NICHT durch zu müssen.

Die Umkehrungen

Die Umkehrungen machen es – als Sahnehäubchen – noch deutlicher: so wird z.B. aus „Da muss ich jetzt durch!“ / „Da muss ich jetzt NICHT durch!“

Ich suche drei echte, ganz konkrete Beispiele dafür, dass meine Umkehrung ins Gegenteil „Da muss ich jetzt nicht durch!“ auch wahr für mich ist:

Beispiel 1

Ja, denn ich muss durch gar nichts durch, was mir nicht wirklich gut tut.

Beispiel 2

Die Umkehrung ist viel wahrer für mich, denn keiner steht mit erhobenem Finger neben mir und befiehlt, diese Wanderschuhe tragen zu müssen. Außer ich selbst.

Beispiel 3

Richtig, denn schon beim Anziehen der Schuhe konnte ich deutlich spüren: Das wird definitiv nichts!

Mögliche weitere Umkehrungen

  • Zu meinem Denken: „Meine Gedanken müssen da jetzt durch!“
    Ja, denn es waren nur meine Gedanken, die mir weissmachen wollten, dass ich mich da durch zu quälen habe.
  • Noch mehr Gegenteile: „Da kann / will / darf ich jetzt durch!“

Du bist der Bestimmer in Deinem Leben

Du entscheidest selbst, ob Du irgendwo durch musst oder nicht und Du hast immer die Wahl, wie Du auf einen äußeren Umstand reagierst. Du  kannst wie das Wasser mit Leichtigkeit mit der Strömung fließen oder versuchen, krampfhaft gegen die Strömung zu schwimmen und Dich dabei im Leben völlig verausgaben.

Fazit meiner WORK: Was sich nicht passend anfühlt, ist ganz einfach unpassend!

Wenn Du Fragen hast zu THE WORK, kannst Du gerne Kontakt zu mir aufnehmen – ich informiere Dich gerne!

Bildquelle: free stock photos from www.picjumbo.com auf Pixabay

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