Meist erleben wir ausgerechnet in schwierigen Momenten, dass uns die nötige Gelassenheit im Stich lässt oder genau dann, wenn wir es am dringendsten brauchen, fehlt uns der Zugang zu Ausgeglichenheit und Frieden.

So fällt es uns beispielsweise immer dann besonders schwer, mit einer Situation gelassen umzugehen, wenn den Menschen die uns nahe stehen, etwas Schlimmes passiert. Im Bruchteil einer Sekunde, wenn wir vom Unglück unserer Lieblingsmenschen erfahren, können unsere Gedanken ganz schnell darin sein, uns voller Überzeugung vorzugaukeln, der andere hätte nur sinnvoller, überlegter oder eben anders handeln sollen, dann wäre es sicherlich erst gar nicht so weit gekommen.

Doch auch wenn wir sicher glauben, es besser zu wissen, so bleiben Denk- und Handlungsweisen eines anderen in Wahrheit ganz allein dessen Angelegenheit.

Wie wir „unvernünftiges“ Verhalten eines anderen Menschen verstehen lernen und beim Gedanken daran gelassen bleiben können, davon berichtet diese WORK:

Die Realität ist immer freundlicher als dein Denken.

~ Byron Katie ~

Sie sollte nicht so schnell fahren!

Neulich vormittags im Büro, als ich mich über die Feedback-Email eines Klienten freue, klingelt mein Handy.  Vom Lesen der Email bin ich noch bester Laune und fröhlich nehme ich den Anruf entgegen. Doch schon im nächsten Augenblick ist jegliche Freude wie weggeblasen.

Ich erfahre, dass eine Freundin, die ich besonders ins Herz geschlossen habe, kurz zuvor einen schweren Autounfall erlebt hat. Mein Atem stockt, als ihr Mann mir am Telefon den Unfallhergang schildert. Ihr Auto ist bei strömendem Regen auf der Autobahn, mit 160 km/h auf Aquaplaning geraten, dann in eine Betonleitplanke geknallt und hat sich mehrfach überschlagen. Wie durch ein Wunder ist der Freundin nichts passiert. Obwohl ich mehr als erleichtert darüber bin, ergreift mich gleichzeitig tiefe Bestürzung, weil ich in diesem Moment absolut davon überzeugt bin: „Sie sollte nicht so schnell fahren!“

Auch Tage später lässt mich der stressige Gedanke nicht los und ich habe Lust, ihn mit THE WORK genauer zu überprüfen:

ÜBUNG

Kennst du solche Überzeugungen wie z.B., der andere hätte nur anders handeln sollen, dann wäre nichts passiert? Wunderbar!

Mit den 4 Fragen von THE WORK hast du die Möglichkeit, zu lernen, wie du mit solchen Gedanken gelassener umgehen kannst:

Überlege dir eine Situation aus deinem Leben, wo du geglaubt hast besser zu wissen, wie jemand anders hätte handeln sollen!
Dann beantworte die 4 Fragen der WORK – die Anleitung findest Du hier.

THE WORK Beispiel: Glück im Unglück

Als Situation für meine WORK nehme ich den Moment, als ich beim Telefonieren erfahre, wie schnell die Freundin trotz strömendem Regen gefahren ist.

1.) „Sie sollte nicht so schnell fahren!“ Ist das wahr?
In dem Moment, als ich die Geschwindigkeit „160 km/h“ höre, bin ich davon überzeugt: also JA!

2.) Kann ich mit absoluter 100%iger Sicherheit wissen, dass das wahr ist: „Sie sollte nicht so schnell fahren“?
Nun, ich war bei dem Unfall nicht dabei, also: NEIN – 100%ig sicher kann ich das nicht wissen.

3.) Wie reagiere ich, was passiert, wenn ich diesen Gedanken glaube? „Sie sollte nicht so schnell fahren!“
In dem Moment halte ich den Atem an und bin fassungslos und geschockt – mir wird von den schrecklichen Bildern in meinem Kopf übel. Wut und Ärger kommen auf und ich traue ihr ein verantwortungsbewusstes Fahren nicht mehr zu. In Gedanken schreibe ich ihr vor, wie sie sich beim Autofahren zu verhalten hat. Das fühlt sich furchtbar machtlos an und mir wird bewusst, dass ich eh keinen Einfluß darauf habe, wie sie in Zukunft Auto fährt. Auch fällt mir auf, dass ich dem Leben gegenüber undankbar reagiere, denn in der Realität ist ja alles gut gegangen, nur meine Gedanken malen sich in lebhaften Bildern aus, was alles Schlimmes hätte passieren können.

4.) Und wer oder was wäre ich OHNE den Gedanken? „Sie sollte nicht so schnell fahren!“
In der Situation erschrecke ich zwar über den Unfall, doch ohne jegliche Schuldzuweisung oder Kritik. Das fühlt sich gleich viel leichter an. Mein Atem kommt wieder in Fluss und ich bin nun in der Lage, klar zu denken. So kann ich bemerken, dass sie alles richtig gemacht hat, denn sie hat den Unfall wunderbar überlebt! Mein Vertrauen in ihre Fahrkunst kehrt zurück und ich bin zutiefst erleichtert, dass ihr nichts passiert ist. Ohne den stressigen Gedanken verliert auch die Geschwindigkeit an Bedeutung: „160km/h“ ist nur eine Zahl. Ich werde demütig und kann sehen, wie gut und perfekt das Leben es mit ihr meint und mit mir – ich fühle mich befreit!

Die Umkehrungen

Die Umkehrungen machen THE WORK noch deutlicher für mich:
So wird z.B. aus „Sie sollte nicht so schnell fahren!“ / „Sie sollte so schnell fahren!“

Die Umkehrung ins Gegenteil fühlt sich eindeutig wahrer an für mich und ich finde mindestens drei ganz konkrete Beispiele dafür:

  • Es ist ganz allein die Angelegenheit der Freundin, wie schnell sie fährt und nicht meine.
  • Die Freundin ist gefühlt schon 1.000 mal 160 km/h gefahren, für sie ist es also nicht zu schnell.
  • Ich kann nicht wissen, was passiert wäre, wenn sie langsamer gefahren wäre. Vielleicht wäre „langsamer“ genau das Ungute gewesen, das zum „Schlimmsten“ geführt hätte!
  • Sie als Autofahrerin versteht etwas vom Autofahren, hat praktische Erfahrung und kann Geschwindigkeit viel besser einschätzen als ich – zumal ich selbst gar nicht Auto fahre und nicht einmal einen Führerschein besitze!

Mögliche weitere Umkehrungen:

  • Zu mir: „Ich sollte nicht so schnell fahren!“
    (Zum Beispiel im übertragenen Sinn: Ich sollte nicht so schnell in ihrer Angelegenheit rumkramen.)
  • Zu meinem Denken: „Meine Gedanken sollten nicht so schnell fahren!“ (Als Beispiel: Meine Gedanken sollten nicht so schnell ans Schlimmste denken.)

Friedvolle Gedanken erzeugen automatisch Gelassenheit.

Unruhe und Leid entstehen immer nur dann, wenn wir glauben besser zu wissen, was für den anderen gut wäre. Doch wenn wir ehrlich sind, geht es uns selbst auf die Nerven, sobald jemand umgekehrt versucht, sich in unser Leben einzumischen und uns vorschreiben will, was wir tun oder nicht tun sollten.

Frieden entsteht, indem wir in unseren eigenen Angelegenheiten bleiben und andere Menschen ihre Entscheidungen selbst treffen lassen: was sie denken, sagen, fühlen oder tun wollen.

Fazit meiner WORK: In meiner eigenen Angelegenheit zu bleiben, macht mich unabhängig und gelassen!

Wenn Du Fragen hast zu THE WORK, kannst Du gerne Kontakt zu mir aufnehmen – ich informiere Dich gerne!

Bildquelle: Jerzy Górecki auf Pixabay

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