Die meisten von uns sind freundliche und friedliche Zeitgenossen, die am liebsten das Leben genießen und ihre Ruhe haben wollen. Doch was tun, wenn z.B. ein Nachbar ohne mit der Wimper zu zucken, immer wieder Deine Grenzen überschreitet und Deine Geduld dadurch ständig neu auf die Probe gestellt wird?

Am Anfang drückst Du vielleicht noch beide Augen zu und gibst um des lieben Friedens willen nach. Doch wie reagierst Du, wenn der Nachbar nicht aufhört und es vorbei ist, mit Ruhe und Gemütlichkeit? Wie Du einen Nachbarschaftsstreit mit THE WORK aus einer anderen Perspektive sehen kann, erfährst Du in diesem Blogartikel:

Solange kein Frieden in Dir ist,
gibt es keinen Frieden in der Welt,
denn Du bist die Welt.

~ Byron Katie ~

Er sollte unsere Vereinbarung respektieren!

Gerade gut gelaunt aus einem Kurzurlaub zurückgekehrt, wollen mein Mann und ich entspannt auf unserer Terrasse Kaffee trinken. Doch ich traue meinen Augen nicht, als ich dort zu meiner Bestürzung entdecke, dass unser Nachbar in der Zwischenzeit, ohne uns zu fragen, einfach den hinteren Teil unseres Gartenhäuschens auf unserem Grundstück abgerissen hat! Ich bin geschockt – das gemauerte ehemalige Hühnerhaus ist mir ans Herz gewachsen, da es noch vom Vater des Vorbesitzers stammt und vor vielen Jahren von uns liebevoll restauriert wurde.

Und nicht nur das – auch blühende Sträucher hat der Nachbar ohne unsere Erlaubnis einfach radikal abgeholzt. Da er seine Hausfassade dämmen und streichen will, prangt nun wie von ihm angekündigt, dafür sein Baugerüst auf unserem Grundstück.

Ich bin schlichtweg fassungslos: so habe ich mir das Aufstellen seines Gerüstes nicht vorgestellt und schon gar nicht mit ihm vereinbart!

ÜBUNG

Kennst Du Überzeugungen wie z.B. jemand sollte sich an eine Vereinbarung oder Absprache halten, und er tut es dann einfach nicht? Willkommen im Club!

Mit den 4 Fragen von THE WORK hast Du die Chance herauszufinden, wie Du mit solchen Gedanken gelassener umgehen kannst:

Überlege Dir eine Situation aus Deinem Leben, wo Du geglaubt hast, jemand hält sich nicht Absprachen / respektiert sie nicht! Dann finde einen stressigen Gedanken und beantworte die 4 Fragen der WORK – die Anleitung findest Du hier

THE WORK Beispiel: „Gut Kirschenessen“ will gelernt sein.

Für diese WORK tauche ich ab in den Moment, als ich das ganze Ausmaß der Verwüstung sehe und der felsenfesten Überzeugung bin, dass unser Nachbar unsere Vereinbarung nicht respektiert hat.

Frage 1

„Er sollte unsere Vereinbarung respektieren!“ Ist das wahr? Da bin mir ganz sicher: JA!

Frage 2

Kann ich mit absoluter 100%iger Sicherheit wissen, dass das wahr ist: „Er sollte unsere Vereinbarung respektieren“? Da zeigt sich auch nach gründlicher Prüfung bei mir noch immer ein JA!

Frage 3

Wie reagiere ich, was passiert, wenn ich diesen Gedanken glaube: „Er sollte unsere Vereinbarung respektieren!“ (Und er tut es nicht)? Ich kann es nicht fassen, fühle mich tief gekränkt, ohnmächtig und ausgeliefert, hilflos und schwach. Ich bin geschockt und meine Lebensfreude ist mit einem Schlag wie weggeblasen. In dem Moment, als ich das zerstörte Häuschen sehe, bin ich wütend, zornig und entsetzt. Zudem fühle ich mich persönlich angegriffen. Ich bin zutiefst frustriert und kann es einfach nicht glauben. Und die Erinnerung an die wunderschönen und nun abgeholzten Pflanzen, lässt eine tiefe Traurigkeit und Resignation in mir aufsteigen. Ich fühle mich blockiert und gefangen in diesem Albtraum.

Frage 4

Und wer oder was wäre ich (in dem Moment) OHNE den Gedanken? „Er sollte unsere Vereinbarung respektieren!“ Ohne den Gedanken spüre ich zwar meine Betroffenheit, doch sie lähmt mich nicht mehr. Im Gegenteil, meine Kopf bleibt ganz klar und ich kann nützliche Gedanken fassen, was als nächstes zu tun ist. Ich fühle mich wieder stark und der Sache gewachsen. Wenn ich aus dieser klaren Perspektive an den Nachbarn denke, fühle ich mich nicht mehr ausgeliefert und hilflos, sondern kann Lösungen wahrnehmen, wie ich zu meinem Recht komme – bin handlungsfähig, ganz ohne Wut und Zorn. Erst jetzt bemerke ich, dass ich wieder ungehindert Luft holen und durchatmen kann. Und ohne den Gedanken kann ich erkennen, welche Chance ich nun habe, diesen Stress zulassen. Das fühlt sich gleich viel freier und leichter an!

Die Umkehrungen

Die Umkehrungen machen THE WORK noch deutlicher für mich:
So wird z.B. aus „Er sollte unsere Vereinbarung respektieren!“ / „Er sollte unsere Vereinbarung brechen!“

Die Umkehrung ins äußerste Gegenteil fühlt sich zunächst seltsam befremdlich für mich an. Doch ich gebe jeder Umkehrung die Chance, mir zu zeigen, was zuvor im Verborgenen lag.

Ich finde also mindestens drei ganz konkrete Beispiele dafür, dass die Aussage „Er sollte unsere Vereinbarung brechen!“ auch wahr für mich ist:

Beispiel 1

Ja, ich erlebe, wie gut es sich anfühlt, gerade in einer so übergriffigen, nachbarschaftlichen Situation einen kühlen Kopf bewahren zu können und nicht ganz und gar emotional auszuflippen.

Beispiel 2

Die Situation ist eine gute Gelegenheit, meine Grenzen ihm gegenüber noch deutlicher auszusprechen und aufzuzeigen.

Beispiel 3

Mir wird bewusst, dass unser Garten immer noch wunderschön ist. In der Situation kann ich ihn nur dann weiterhin genießen, wenn ich, anstelle mich zu grämen, mich stattdessen über die üppige Vielfalt unserer Früchte und Blumen freue.

Beispiel 4

Weil ich allein der Bestimmer bin, ob ich mich gut fühlen will oder nicht – egal was unser Nachbar tut oder nicht tut.

Beispiel 5

Weil es nun mal seine Angelegenheit ist, ob er sich an unsere Vereinbarung hält oder nicht. Solange ich von ihm einfordere, dass es sich daran hält, mache ich mein komplettes Wohlbefinden von ihm abhängig. Und meine Freiheit und Unabhängigkeit ist mir auf alle Fälle wichtiger.

Mögliche weitere Umkehrungen

  • Zu mir: „Ich sollte unsere Vereinbarung respektieren!“
    Zum Beispiel, indem ich meinen Fokus auf eine friedliche Lösung der Situation lenke.
  • Zu meinem Denken: „Meine Gedanken sollten unsere Vereinbarung respektieren!“
    Meine unterstützenden Gedanken bringen mich bei einer Lösungsfindung viel schneller ans gewünschte Ziel.

Die andere Person ist unser Spiegelbild

Angenommen Du gehst morgens ins Badezimmer und betrachtest Dich im Spiegel. Wenn Du dort einen Pickel entdeckst, würdest Du dann hergehen und den Spiegel mit einem Lappen putzen? Nein – sicherlich nicht. Du würdest stattdessen an Dir selbst etwas ändern, richtig?

Und genauso verhält es sich mit Deinen Mitmenschen. Du kannst die anderen nicht ändern, da hilft Dir kein Zetern, Schimpfen, Drohen. Was die anderen tun oder lassen, liegt nicht in Deinem Einflussbereich. Es ist allein ihre Angelegenheit. Du kannst Dich darüber ärgern oder Du kannst das, was Dir daran nicht gefällt nutzen, um Dich selbst besser kennen zu lernen und herauszufinden, was in Wahrheit der Ursprung Deines Unbehagens ist.

Fazit meiner WORK: Es nicht so zu bekommen, wie man es haben will, kann ein Geschenk vom Leben sein!

Wenn Du Fragen hast zu THE WORK, kannst Du gerne Kontakt zu mir aufnehmen – ich informiere Dich gerne!

Bildquelle: PublicDomainArchive auf Pixabay

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